Ostersonntag war es wieder mal so weit. Es wurde an der Uhr gedreht. Wie alljährlich im beginnenden Frühling in der Art, dass uns eine Stunde „gestohlen“ wurde. So wird es ja gerne von denjenigen kommentiert, die aus dem (circadianen) Rhythmus geraten. Die innere Uhr stimmt nicht mehr mit der Zeitanzeige auf dem Zifferblatt überein. Das, so bestätigt die Chronobiolgie, kann zu Müdigkeit und schlimmstenfalls zu einem „sozialen Jet-Lag“ führen, so die Chronobiologin Martha Merrow in der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende. Differenzen zwischen innerer und sozialer Uhr sind belastend, weil die anzustrebende zeitliche Stimmigkeit angegriffen wird. Das ist übrigens auch bei anderen fremdbestimmten zeitlichen Interventionen der Fall. Die Langzeitfolgen von Schichtarbeit sind das klassische Beispiel von gesundheitlich bedenklichen Folgen widernatürlicher Rhythmen. Etwas niederschwelliger spüren wir das Auseinanderfallen von innerer Uhr und äußeren zeitlichen Zwängen, wenn wir uns über Zeitzonen bewegen, womöglich zuvor in aller Herrgottsfrühe von schrillen Weckfunktionen aufgehetzt zum Flughafen gehastet sind – statt wie üblich nach dem Ausschlafen ein gemütliches Sonntags-Familienfrühstück einzunehmen. Der gefürchtete Jet-Lag ist die Folge. Es ist also nicht bloß die Zumutung der Einschränkung zeitlicher Autonomie, wenn wir zweimal im Jahr fremdbestimmt dazu gezwungen werden, an der Uhr zu drehen, sondern diese widernatürlichen Eingriffe haben spürbare körperliche Folgen. Wir geraten in unserer inneren Zeitlichkeit durcheinander, sind zu Anpassungen gezwungen, die wir so selbst nicht gewählt hätten. Und die nicht unserer Zeitnatur entsprechen.

Die Zeitumstellungen sind gesetzlich geregelt im § 3 des Zeitgesetzes vom 25. Juli 1978 (BGBl. I S. 1110, 1262), geändert durch das Gesetz vom 13. September 1994 (BGBl. I S. 2322). Die Rücknahme dieser „Zeitumstellung“ ist politisch erst mal „auf Eis gelegt“, obschon die angestrebten Ziele der Energieeinsparung nie erreicht wurden.

Es bleibt also einstweilen bei verordneten zeitlichen Entrhythmisierungen. Betroffen sind: Alle.

Alle sind ziemlich viele. Die meisten von ihnen – es gibt unterschiedliche Befragungsergebnisse dazu – lehnen die Zeitumstellung ab. Dennoch tut sich (zeit-) politisch nicht viel. Angesichts der in der jahrelangen Diskussion gesteigerten Komplexität wird wohl das absehbare politische Chaos mehr gefürchtet als das innere Chaos der Menschen.

„Nachhaltig“ – verstanden im Sinne einer gesünderen, leistungsfähigeren und klügeren Gesellschaft – ginge anders.

Also bleibt die Kompensation der Zeitumstellungen einstweilen an den Einzelnen hängen. Und weil diese ja Selbstoptimierungsanstrengungen gewohnt sind, wird’s schon irgendwie weitergehen. Mit der Zeit. Denn die braucht es dazu. So wird aus einer gestohlenen Stunde schnell mal ganz viel zusätzliche Zeit, die es braucht.

Dass sich (Zeit-) Gesetzesbrecher:innen sichtbar auf den Straßen formieren oder sich an den Uhren der Parlamente festkleben, ist einstweilen nicht abzusehen. Wäre aber ja auch mal was Neues.

Aprilscherz?

Wenn Sie angesichts der gestohlenen Stunde Zeit (und Lust) haben, gibt es in diesem Blog mehrere Impulse zur Zeitumstellung. Zum Beispiel hier vom Frühjahr 2023 oder hier vom Herbst 2023 oder hier vom Frühling 2019. Oder vom 2017 oder von 2016. Oder Sie suchen selbst mal beizeiten 😉

Gute Zeiten!

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Das Buch zum Thema, die Zeitumstellung 😉

Mehr zur Zeit finden Sie auch im neuen ORTHEYs-Zeitzeichen Podcast:

Und in den …

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Kategorien: Zeitforschung

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