„Auf die Tools kommt es an“. So lautet der Beitrag in der Ausgabe von changement 06/2018 „Der Blick über den Tellerrand“. Einerseits plädiert Prof. Dr. Achim Weiand: „Ein gut gefüllter Werkzeugkoffer ist keine Schande“. Andererseits erwidert Frank Orthey unter dem Titel „Coole Tools“:

In dem heute üblichen Changegequassel in Führungs- und Organisationsentwicklungskontexten wird alsbald nach Werkzeugen gerufen – oft werden sie auch vorher bereits toolwütig offeriert. Um den Wandel möglichst wirkungsvoll und nachhaltig zu gestalten. Klar. Der Ausdruck „tools“ dient wohl auch dieser hoffnungsvollen Einredung. Er ist zwar rein reimtechnisch gesehen nah dran an fools, aber das wäre dann doch etwas billig: tools for fools. Nein. Tooleranz bitte.

Die Rationalität von Werkzeugen wider der Emotionalität des Wandels

Wenn Du einen Hammer hast, schaut jedes Problem wie ein Nagel aus. Weil gewöhnlich gut informierte Kreise das erwarten, muss der alte Systemikerspruch hier stehen. Wegen der Anschlussfähigkeit. Allerdings: Als Sohn eines Zimmermanns kenne ich auch alternative Möglichkeiten des Hammers. Er eignet sich als Wurfwerkzeug, als Hebel, als Flaschenöffner. Letztlich wurde dann aber doch der Nagel damit versenkt. Nur wer seinen Hammer vergessen hatte, der brachte die ganze Baustelle in Unordnung. Cooles tool. Aber ein hartes, ein kaltes Werkzeug eben.

Wandel, Change oder Veränderung sind etwas Emotionales. Wenn dem kühl und im rationalen Machbarkeitsmodus mit (vermeintlich) passenden Werkzeugen begegnet wird, dann ist das eine emotionale Zumutung. Und die kommt – zeitnah versteht sich – noch auf die eigentliche emotional aufwühlende Veränderung obendrauf. Die ist noch ganz warm – und dann das kalte Tool. Das ist der Hammer! Viel Change scheitert am allzu beherzten und zu flotten Werkzeuggebrauch. Der vermittelt, dass da etwas mit dem Betroffenen gemacht wird, bei dem sie sich günstigstenfalls nicht sicher sind, dass sie es wollen. Ungünstigstenfalls …. Na ja, Sie ahnen es. Der Widerstand zerbricht das Werkzeug statt in positive Energie umgeleitet zu werden. Tools too cool, too soon.

Tools gegen Musterbrüche und Irritationen

Wenn Veränderung, Entwicklung und Lernen etwas mit Musterbrüchen und den dazu notwendigen Irritationen zu tun hat, dann ist in einer durch steten Werkzeuggebrauch durchgestylten und selbstoptimierten Welt der abermalige sauber geplante Werkzeugeinsatz „Mehr-Desselben“. Er hat keinerlei Irritationswert, löst bestenfalls gefälliges Nicken bei denjenigen aus, die für alles feine Tools und Apps besitzen. Da wär‘ als irritierender Musterbruch eher mal ein deftiges „quick and dirty“ angesagt.

„Drop your tools!“ Es endet mit der vom Organisationspsychologen Karl Weick berichteten und oft nacherzählten Geschichte vom Schicksal von Feuerwehrleuten, die bei Waldbränden von explodierenden Feuerstellen überrascht wurden. Der Rückzug wurde durch ihr schweres Löschgerät behindert. Sie ließen es trotz Anweisung nicht fallen – und kamen in Sichtweite des sicheren Waldrandes um. Sie hatten gelernt, nie ohne ihr überlebenswichtiges Löschwerkzeug wegzulaufen. Sie konnten die Werkzeuge, die ihnen in vielen Situationen erfolgreich geholfen hatten, nicht fallen lassen. Sie wurden – wie viele MangerInnen und BeraterInnen heutzutage auch – zum Opfer ihrer eigenen Werkzeuge. Angesichts plötzlich umgeschlagener Situationen kippt der Sinn in die (tödliche) Bedrohung. Wer diesen Wandel möchte, der halte an den tools fest. Alle anderen können ja mal den fool geben. Und versuchen, verlernen zu lernen.

Das stürzt manchen in die Krise, der oder die sich über tolle tools definiert hatte. Es mal mit Zuhören, Zuwendung, Interesse, liebevoller Provokation oder zugewandter Konfrontation zu probieren, oder mit Humor und dann womöglich mit gemeinsam erfundenen Werkzeugen in einen Prozess zu starten, das wär doch mal was anderes als toolpatschig in den einschlägigen Fachhandel zu stolpern und sich erst mal ein paar Werkzeuge zu besorgen. Den Handel freut so viel „Toolworth“. Den Wandel lässt es cool.

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Veröffentlicht in: Changement, 06/2018, S. 45

Werkzeugkasten bei ORTHEYs historic racing and more

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Kategorien: FührungLernen

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