Gerade erst hat das neue Jahr angefangen – und jetzt schon wieder Aufhören?

Dabei ist der Anfang eine gute Gelegenheit, um über das Aufhören nachzudenken – und es zu vollziehen. Das ist ja bei vielen Zeitgenoss*innen beim Jahreswechsel an Sylvester geschehen, denn wenn dem Anfang ein Zauber innewohnen will, dann braucht zuvor Vieles erst mal ein Ende. Dann muss aufgehört werden, um wieder gut neu anfangen zu können. Dem Anfang wohnt ein Ende inne, weil der Anfang ja nur das Ende von der anderen Seite ist. Solche Übergangsarbeit mit Abschlüssen, um gut neu anfangen zu können, haben wir – hoffentlich – beim Jahreswechsel hinter uns gebracht. Das ist ja eine Folge des Aufhörens: Ich lasse etwas hinter mir – zurück. Bei manchen ist das eine Vorstellung oder eine Gewohnheit, bei anderen eine Arbeitsstelle oder bei wieder anderen gar eine Karriere. Aufhören bedeutet Abschied zu nehmen, z.B. vom Genuss der Zigarette danach (ein recht gerne zum Jahreswechsel genommenes Projekt, um aufzuhören, das oft in der gleichen Nacht noch – einmalig versteht sich – verworfen wird). Das Abschiednehmen ist oft mit Schwere verbunden. Meist wird es assoziiert mit dem ultimativen oder jedenfalls mit einem länger währenden Abschied. Kürzere Abschiede sind emotional kaum der Rede wert. Tschüss, tschau, pfiad Di, servus, see you. Wir sehen uns (bald wieder). Aber wenn er dann plötzlich und/oder unerwartet kommt, und vor allem: wenn er an der Grabstelle stattfindet, dann bekommt Zeit eine andere Qualität. Sie bleibt stehen, holpert, stolpert, … Da hat etwas für immer aufgehört. Das Leben. Den Neuanfang, den das für den Betroffenen womöglich bedeutet, kennt niemand unter den Lebendigen, viele zweifeln ihn eher an. Tun sich aber umso schwerer mit dem Abschied und dem, was der an Aufhören – zwangsläufig – bedeutet. Die Freiwilligkeit bzw. im anderen Falle die Erzwungenheit des Aufhörens macht einen Unterschied für unser Empfinden. Im freiwilligen Fall kann ich das Aufhören vielleicht sogar noch rückgängig machen – sofern ich nicht das Leben gewählt habe – im anderen Fall bin ich machtlos, muss aufhören, bin zum Abschiednehmen gezwungen. Beim freiwilligen Aufhören gibt es den Rücktritt vom Rücktritt. Sportler feiern Comebacks wie auch ehemalige Säufer und Raucher. Dann war das ursprüngliche Projekt des Aufhörens wohl doch nicht so angemessen und stimmig, um den gewünschten Bestand zu haben. Beim erzwungenen Aufhören gibt es seltener ein Zurück. Oft braucht das viel Energie, wenn z.B. ein Arbeitsplatzverlust ein Aufhören erzwingt. Dann ist für einen Neuanfang oft ein Musterbruch oder – wie es heute heißt – ein „Reset“ angesagt. Alles zurücksetzen – gar nicht so einfach. Aber umso wichtiger, um neu starten zu können.

Entweder wollen Fragen, die sich beim Aufhören (zwangsläufig) stellen, gut beantwortet werden. Oder eben gar nicht mehr, weil ein „Reset“ alles, auch die Frage, auf Null zurücksetzt. Entweder also aufhören, um gut neu anfangen zu können, klären, wovon ich mich lösen muss, womit ich abschließen will oder muss. Mit dem Schluss machen – in aller Wertschätzung des Alten, um mich neu orientieren und etwas Neues beginnen zu können. Oder den harten Schnitt machen mit einem „Reset“. „Dies kann erforderlich sein, wenn das System nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert und auf die üblichen Eingaben nicht reagiert.“ So Wikipedia. Heißt: Das Alte ohne Aufarbeitung, ohne Trauer zurücklassen (geht das?), es zu löschen und dann vorbehaltlos: neu zu starten.

Beide Formen des Aufhörens sind anspruchsvoll. Leichter wird das Aufhören in beiden Varianten, wenn es vom (Neu-) Anfang, also von dem, was neu möglich wird, gedacht wird. Dann denke ich positiv. Ich werde wieder einen Halbmarathon laufen – und deshalb höre ich (mal wieder ;-)) mit dem Rauchen auf. Oder ich blende aus, was mich behindert – mein Gewicht beispielsweise – und beschränke mich nur auf das, was meine Perspektive, meine Vision, meine Sehnsucht, meine Lösung ist.

Insofern ist Aufhören eher eine Kunst als eine Technik. Gute Abschiede, ein gutes Abschließen kann frei machen. Ebenso wie ein bewusst gesetzter harter Schnitt, ein „Reset“. Um gut und positiv – ohne Altlasten – in neue Zeiten zu starten.

Bei beiden Formen die Selbstwirksamkeit stimmiger zu gestalten, kann Gemeinsamkeit und Beziehung hilfreich sein. Konkret: mit anderen zu teilen, was belastet beim Aufhören oder beim „Reset“, um frei (-er) zu werden für das, was kommt. Mir Entlastung zu verschaffen dadurch, dass ich teile, was mich belastet beim Aufhören oder beim – erzwungenen oder nötigen – „Reset“. Um mich auf die Möglichkeiten und auch die Zufälle der Zukunft freuen zu können. Sich emotional berühren zu lassen und dies zu teilen – das ist eine hilfreiche Voraussetzung für alles, was kommt nach dem Aufhören. Erzählen Sie anderen, vertrauten Menschen Ihre Geschichte(n). Dann kann alles gut werden – oder (anders) gut bleiben.

Wie auch immer: Ein gutes Aufhören oder je nachdem: einen guten „Reset“ – und schöne und lustvolle, wirkungsvolle Neuanfänge.

Endlich: Schluss jetzt!

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Frank Michael Orthey: Zeitumstellung. Für einen guten Umgang mit der Zeit. Haufe-Lexware.

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Kategorien: Zeitforschung

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