Bei einigen schleicht sich Routine ein beim erzwungenen Dasein unter einem Dach, bei anderen steigt die Genervtheit, bei manchen wird Genervtheit zur Routine. Die Zeit wird lang – und es scheint als würde sie uns noch verlängert. Das, was als zeitlich begrenzte Notfallmaßnahme der Verlangsamung dienen sollte, scheint sich nun zum Dauerzustand zu entwickeln. Diese Aussicht bringt viele in emotionale Notstände.

„In Zeiten wie diesen“ – so die bereits mit deutlichen Gebrauchspuren versehene Floskel dieser Tage – ergeben sich viele neue Möglichkeiten, Perspektiven und Chancen.

In Zeiten wie diesen …

  • … können wir lernen mit ungeordneten, verwirrenden, beängstigenden und widersprüchlichen Gedanken umzugehen und diese in neue, bislang unbekannte persönliche, soziale und organisationale Ordnungen zu bringen. Das braucht seine Zeit – Zeit zum Denken und für neue Gedanken, die wir unter anderen Umständen nie gehabt hätten.
  • … bleiben wir innerhalb gezwungener- und vernünftigerweise innerhalb längst überwunden gedachter Grenzen und Begrenzungen – und geraten an neue eigene Grenzen. An Grenzen kann viel gelernt werden. Dadurch dass wir begrenzt werden in unserer Beweglichkeit und in unseren Möglichkeiten, können wir viel über uns als „Grenzgänger“ lernen, zum Beispiel über Grenzen von Geduld, Toleranz, Verständnis – und über allerlei rote Knöpfe, die bei uns gedrückt werden können, um zuverlässig in Grenzbereiche zu kommen.
  • … bekommen wir wieder einen Blick für Kleinigkeiten, beispielsweise für die aufkeimende Frühlings-Natur. Vielleicht liegt das daran, dass unsere Lebensführung so reduziert und minimalisiert wurde und keine neuen Großartigkeiten, gleichwohl aber große Schreckensmeldung vorhält. Da kehrt der Blick fürs Detail zurück und wird wichtig. Erstaunlich, was da alles Bezauberndes, Einzigartiges und Ungesehenes vor unseren Augen auftaucht.
  • … machen wir andere als die üblichen zeitlichen Erfahrungen – im Home-Office, unter einem Dach miteinander. Da wird beispielsweise später geduscht (nicht weniger ;-), es entwickeln sich neue zeitliche Rituale und Ordnungen und unsere Zeitwahrnehmung ändert sich, weil die üblichen Möglichkeiten beschnitten sind. Das eröffnet auch neue Optionen – einschließlich der Herausforderung, die neuen zeitlichen Ordnungen zu strukturieren und zu halten.
  • … bekommt vieles wieder seine Zeit (zurück), was sonst eingequetscht, verdichtet und in den Outlook-Terminfluten eingeebnet wurde, z.B. Eigenzeiten für Sport oder Kontemplation, Zeiten für Begegnungen in der Familie, für Spiele. Spaziergänge und Gespräche, Aufgabenzeiten für Sachaufgaben, die bisher immer wieder zusammengestutzt wurden usw. In schwierigen Zeiten können wir eine Zeitkultur zurückgewinnen, die wir lange vermisst haben. Alles hat seine Zeit eben.
  • … lernen wir viel von- und füreinander, was wir zuvor so nicht gedacht hätten. Da werden ungeahnte Talente sichtbar, es organisiert sich nachbarschaftliche Hilfe wie von selbst und es wird unter strenger Einhaltung der Abstands- und Ausgangsregeln viel neue Nähe möglich.
  • … lernen wir aus der Distanz viel über Nähe, die neue Formen annimmt. Echte Nähe braucht (neue) Distanz. Und wir erkennen womöglich auch die Distanz, die durch die Pseudonähe der Busserlgesellschaft entstanden ist. Und das Bedürfnis, das hinter der schönen Fassade von Nähe nicht beachtet oder verletzt wurde – und jetzt in der Zwangsdistanzierung mehr Beachtung findet.
  • … lernen wir viel über uns selbst, unsere Muster, über neue und unbekannte Möglichkeiten und riskante Lücken und erkennen dabei auch das ein oder andere, was uns gar nicht immer gut gefällt. Gefallen könnten uns Bescheidenheit und Demut. Bescheidenheit gegenüber unseren überhöhten Ansprüchen an das, was uns das Leben ermöglichen soll und Demut gegenüber der Natur, die wichtiger und mächtiger ist als unser sogenannter „freier Wille“. Wir werden auf uns selbst zurückgeworfen im Verhältnis zu unserer Umwelt – das ist der Wert.
  • … werden alte und weitgehend vergessene Kommunikationsformen wiederbelebt. Es werden Postkarten geschrieben und Osterpäckchen verschickt. Und die Freude ist groß.
  • … können und sollten wir auch mal wieder tief durchatmen. Solange wir es noch können. In der Natur – und/oder für uns ganz alleine. Dadurch können wir wieder zu Atem kommen. „Atme, es könnte dein Leben retten.“[1]

Bleiben Sie gesund – und bei gutem Atem.

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Gute Zeiten!

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