Es ist mir eine Wonne! Das würde ich oft gerne denken und sagen – oder vielmehr: spüren. Ein Wonnegefühl, wie es dem Mai angedichtet wird bezogen auf die eigene Zeitorganisation spüren. Ja, das wär‘s! Leichtigkeit, Glücksgefühle und höchste Freude in und mit der eigenen Zeit. Ein Traum, eine Wonne, diese Vorstellung. Gerade angesichts einer Zeitorganisation, die von fremdbestimmten „Zwängen“ und Rationalisierungen bestimmt ist. Eine – gerne genommene – Rationalisierung heißt Zeitmanagement. Das kommt in seinen Instrumenten und auch ein seinen personenbezogenen Ansätzen rational gut aufgestellt, gut „organisiert“ daher. Auch die entstehenden Pläne – denn darauf läuft’s ja hinaus – schauen auf den ersten Blick verlockend aus und lösen Machbarkeitshoffnungen aus. In der Umsetzung fehlt dann bei der ersonnenen Zeitorganisation jedoch oft die Lust. Nach Anfangserfolgen mit hohem Überwindungsfaktor geht’s dahin. Mir ist jetzt nicht nach dem, was die Planung, was die Zeitorganisation vorsieht. Das, was der Plan sagt, tut mir gerade nicht gut. Mir fehlt angesichts meiner aktuellen zeitlichen Aussichten dieses besondere Glücksgefühl, das ich so mag. Ein Wonnegefühl als ein Gefühl der Beglückung, des Vergnügens, der Freude, will sich nicht einstellen. Frust statt Lust – und ab in die Tonne damit.

So wird das wohl nichts werden mit Wonne und mit der angestrebten zeitlichen Stimmigkeit. Selbst wenn ich womöglich meinen Plan bereits mit Blick auf natürliche Rhythmen und meine bekannte Leistungskurve, z.B. als Abendmensch gemacht hatte. Jetzt schaut’s eben anders aus. Ohne Wonne. Und das mag unser Gehirn nicht. Es mag positive emotionale Resonanzen. Angesichts der Zumutungen der Planungen blockiert es eher. Es will sich nicht zur Wonne hinmanagen lassen. Und reagiert mit der Aktivierung von Verschaltungen auf einer anderen Ebene, die das Unerwünschte („Pläne“ und Selbstorganisation, Selbstoptimierung) wirkungsvoll zu vermeiden wissen, weil es keine Lust macht und keine Wonne bringt. Allerdings werden gleichzeitig Enttäuschungen ausgelöst. Damit hängen wir in Widersprüchen fest, die uns noch mehr Energie rauben und die unglücklich machen. Nix war’s mit der Wonne.

„Wonne ist ein Zustand, in dem man große Freude und Entzücken erfährt. Wonne ist ein tiefes beglückendes Gefühl größter Freude, innigsten Vergnügens, höchsten Genusses und Glückseligkeit. Im Yoga wird der Ausdruck Wonne als Übersetzung für das Sanskrit Wort Ananda verwendet. Ananda ist die tiefe Freude des Selbst, die wahre Natur der Seele und damit auch Gottes. Ein bekanntes Lied beginnt mit Anandoham – ich bin Wonne.“ [1]

Jetzt haben wir ihn, den sogenannten „Wonnemonat“ Mai. Das wär doch mal einen Versuch wert mit der Zeit und mehr Wonne (in der Sonne 😉 )

Unser Gehirn reagiert zuallererst emotional – und zwar bevor eine Ratio zustande kommt. Insofern hätte man es früher wissen können, dass das nix wird mit dem Zeitmanagement, wenn keine positive Emotion zur zeitlichen Planung anlag. Aber das ist jetzt besserwisserisch und führt ja auch nicht weiter. Es verstärkt eher den inneren Widerspruch, der emotional auch nicht positiv gewertet werden kann. Undsoweiter. Wenig heiter geht es weiter in eine emotionale Abwärtsspirale. Ab in die Tonne mit den guten Vorsätzen und Planungen.

Was also versuchsweise tun im Wonnemonat Mai, damit das mit der Zeit zur Wonne wird?

Statt der emotionslosen Rationalisierungen des Zeitmanagements können Sie es ja mal mit Emotionierungen versuchen. Leben geschieht in einer Abfolge von Emotionen, die das bestimmen, was wir als „Realität“ wahrnehmen. Der Biologe und Systemdenker Humberto Maturana meint (übrigens lange vor den Hirnforschern, die dies heute bestätigen), dass „die Emotion die Handlung bestimmt und dass, biologisch gesprochen, Emotionen dynamische körperliche Bereitstellungen zu Handlungen sind, die in jedem Moment die Handlung abgegeben, die eine Bewegung oder ein Verhalten ist“ (Maturana/Verden-Zöller 2005, S. 20/21).[2] „Emotionieren“, das ist nach Umberto Maturana „von einem Handlungsbereich zum anderen zu fließen in den normalen Dynamiken des täglichen Lebens“ (Maturana/Verden-Zöller 2005, S. 181/182). Wie wir uns – uns selbst und anderen gegenüber – dann zur Sprache bringen („linguieren“ würde Maturana sagen) und wie wir uns verhalten (oder eben auch nicht), das basiert auf Emotionen. Wir werden uns selbst und anderen gegenüber wirksam über Emotionen. Was wir also tun können: uns mit positiven, mit lustvollen Gefühlen versorgen. Das macht es wahrscheinlicher, dass wir uns auch bezogen auf unseren Umgang mit der Zeit selbstwirksamer und stimmiger, also im Einklang mit uns selbst, zur Sprache bringen und verhalten können. Lassen Sie also den Mai und das, was er uns an Reizen bietet, möglichst oft eine Wonne sein. Draußen in der aufblühenden Natur, in der wärmenden Sonne, in innerer und äußerer Bewegung – und: gemeinsam mit anderen. Wenn die Übergänge von einem in einen anderen emotionalen Zustand gemeinsam und miteinander abgestimmt erfolgen, dann nennt Maturana das „Ko-Emotionieren“. Es entstehen „Konversationen“ als Verflechtungen von Sprachhandeln und Emotionieren (vgl. Orthey 2013, S. 23/24).[3] Bei Konversationen spielen die gemeinsamen Handlungen eine wichtigere Rolle als die Inhalte. „Konversieren“ als Verbindung zweier lateinischer Wurzeln – cum = mit und versare = umgehen, verkehren – bedeutet „mit dem anderen verkehren, mit dem anderen umgehen“ (Maturana/Verden-Zöller 2005, S. 181/182).

Gehen Sie also mit anderen um, sprechen Sie mit Freunden und Partner*Innen, mit Kindern und Kolleg*Innen über das, was Ihnen Wonne, Lust und Freude – oder auch mal Leid und Sorge – bereitet. Das ist nicht nur entlastend, sondern das Miteinander selbst erzeugt positive Gefühle. Es geht dabei nicht um den Austausch von Bedeutungen, sondern um die Lust am Miteinander. Wenn sie das Miteinander pflegen, entstehen Netzwerke gemeinsamer Geschichten – und diese machen positive Gefühle. In einem solchen Netz der Gefühle ist es dann ein Leichtes, das bisschen Zeit, um das es geht, angemessen zu strukturieren. Dadurch ist es nicht weniger Arbeitszeit, aber durch das Umgebensein mit positiven und geteilten Gefühlen wirkt diese leichter – manchmal gar wie eine Wonne. Wenn Sie also darauf achten, tagtäglich etwas für sich selbst Lustvolles zu verwirklichen und dies mit anderen zu teilen, dann spricht Einiges dafür, dass der Mai ein Wonnemonat wird. Wenn das so gelingt mit der Wonne, dann ist viel gewonnen. Nicht nur im Mai.


[1] https://wiki.yoga-vidya.de/Wonne, abgerufen am 14.03.2019

[2] Maturana, Humberto/Verden-Zöller, Gerda: Liebe und Spiel. Die vergessenen Grundlagen des Menschseins. Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2005

[3] Orthey, Frank Michael. Systemisch Führen. Grundlagen, Methoden, Werkzeuge. Schäffer Poeschel Verlag, Stuttgart 2013

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Es war eine Wonne letzte Woche in Gstadt am Chiemssee mit Blick auf die Fraueninsel.

Frank Michael Orthey: Zeitumstellung. Für einen guten Umgang mit der Zeit. Haufe-Lexware.

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Kategorien: Zeitforschung

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